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Chile   -   15. Januar 2009 - 24. Januar 2009


Käseschmuggelnd nach Chile
 
Chile, 15. – 24. Januar 2009
 
Strecke: Rio Turbio (AR) – Puerto Natales – National Park Torres del Paine – Cerro Castillo


Am Vortag hielten wir es noch für eine Superidee noch gleich im Supermarkt von Rio Gallegos, dem grossen Carrefour, einzukaufen. Doch nun wurde eben diese Idee zum Verhängnis! 
Wir wussten es ja – nach Chile darf man keine Früchte und Gemüse einführen! (Die Chilenen seien damit sehr streng!)  Genau deshalb hatten wir ja auch keine eingekauft - dass jedoch zu diesem Verbot auch Käse gehörte, sagte uns wieder einmal niemand.
 
Da standen wir nun mit dem frischen Exit-Stempel der Argentinier vor dem chilenischen Grenzhaus und wussten nicht, wie wir das nun anstellen wollten, damit die Zöllner uns den Käse nicht abnehmen.
 
Wir entschlossen uns, unser übervoll beladenes Pino direkt an die Gebäudemauer zu stellen – so, dass es vom Innern für die Zöllner nicht sichtbar war. – Möglichst cool gingen wir rein und schnell zum Schalter, wo wir einen Einreisezettel erhielten. Wir füllten ihn aus (bei der Frage, ob wir Käse oder andere Frischprodukte mithatten, kreuzten wir natürlich „NO“ an!) und problemlos erhielten wir die Einreisestempel auf alle Zettel und in die Pässe gedrückt.
 

Nur schnell raus, dachten wir, bevor die noch mehr von uns wollen! Türe auf und... - ...wir hatten ja schon noch keine Ahnung von hier!!! Der ewig wehende, patagonische Wind raubte Sem seinen sehr wichtigen, chilenischen Zollzettel und trug ihn davon. Schnell rannte er dem fliegenden Papier hinterher, konnte es jedoch unmöglich einholen! – Und dabei wollten wir doch möglist nicht auffallen – sch....e!
 
Mutig gingen wir also erneut hinein ins Zollgebäude, um für Sem einen neuen solchen Zettel (der für die Ausreise sehr wichtig ist!) zu besorgen.

chilenischer Grenzzettel


Der Zöllner schlug seine Hände über dem Kopf zusammen, streckte ihm aber zum Glück erneut einen solchen Zettel zum Ausfüllen entgegen und stempelte ihn mit einem Schmunzeln im Gesicht ab.
 
Zwei Minuten später sassen wir auf dem Pino und sausten davon, wie wir nur konnten. Hinunter vom  ländertrennenden Berg in Richtung Puerto Natales und freuten uns dabei sehr, dass wir unseren Käse und auch alle Zettel noch hatten.
 

 
Noch am selben Abend erreichten wir Puerto Natales (obwohl wir in Rio Turbio erst um 17 Uhr los pedalten, da erst dann durch die dicken Regenwolken blauer Himmel zu sehen war) und stellten dort kurz vor dem Eindunkeln unser Zelt im einzigen Campingplatz der Stadt auf. Dieses blieb dort gleich für die nächsten drei Nächte stehen, denn in der Nähe (mit Nähe meint man in diesem Teil der Welt mal wieder ca. 100km) von Puerto Natales liegt ja der weltbekannte, chilenische Nationalpark „Torres del Paine“ und da wollten wir ja als nächstes hin.
 
Erst wurden wir aber noch einiges Gepäck los – nämlich: die Gitarre und unser zweites Hinterrad. Dafür kauften wir für ganze 14-Tage essen ein und oben drauf noch einen grossen, aber billigen Rucksack.

auf dem Camping in Puerto Natales
 
Nach zwei Tagen pedalen auf der Südzufahrt erreichten wir trotz argstem Gegenwind das Hauptquartier des Nationalparks „Torres del Paine“, wo wir glücklicherweise campen durften. Von dort waren es dann am nächsten Morgen noch 24km bis zum See Pehoe. Die Strecke hatte es mit ihren krassen Steigungen und dem kräftezehrendem Gegenwind in sich. Genial und zu unseren Gunsten zeigte sich aber der Rest des Wetters - es gab immer mehr von dem fantastischen Gebirge des Paine-Massivs frei. Bei der Bootsüberfahrt am späteren Nachmittag war es gar fast wolkenlos, vielen Erzählungen zu Folge eine absolute Seltenheit. Die zweieinhalbtägige harte Arbeit gegen den Wind hatte sich also schon gelohnt.
 
im franzoesischen Tal

Noch viel mehr lohnte sich jedoch die Anschaffung des grossen, billigen Rucksacks - er hielt nämlich bis fast zum Schluss unserer zweieinhalb-tägigen Wandertour durch. Diese fuehrte uns zuerst zum Grey-Gletscher und am nächsten Tag ins „französische Tal“.
 
Wir waren begeistert von der Schönheit der Berge, doch Sems Wanderenthusiasmus wurde schnell kleiner, da ihm das Velo fehlte und die Sackgasswanderwege wirklich nicht sein Ding waren.


Am 23. Januar 09 waren wir also auch schon wieder zurück bei unserem Velo und schafften es noch am selben Tag bis an die Nationalparkgrenze, zur Porteria Sarmiento, zu pedalen. Auch dort durften wir – nach einem vehemmenten „NO“ der Rangerin – im Windschutz eines Wellblechzaunes zelten.
 
Von dort gelangten wir dann am nächsten Tag – juhee,  einmal mit Rückenwind - runter ins Grenzörtchen Cerro Castillo. Dort klaute uns eine deutsche Touristin im klitzekleinen Dorflädelchen zwar die Bananen (wir eroberten die aber natürlich zurück) und noch am selben Tag schafften wir es über die Grenze nach Argentinien. Übrigens immer noch mit einem Stücklein vom nach Chile reingeschmuggelten Käse in der Tasche.